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Baumschnitt

Eigene Äpfel ernten: frischer geht es nicht

Obstbäume schneiden

Obstbäume mit Rundkronen sind prächtige Gestalten, und als Hochstämme wunderbar als Hausbaum geeignet, oder um unter seinem Blätterdach einen angenehm beschatteten Sitzplatz einzurichten. Und feine Früchtchen gibt es obendrein zu ernten! Dafür aber wollen sie gepflegt werden, vor allem durch einen regelmäßigen Schnitt.

Eigene Äpfel ernten: frischer geht es nicht

Warum brauchen Obstbäume überhaupt einen Schnitt?

Das Ziel bei allen Gehölzen ist, sie durch den Schnitt zu erziehen, die Form zu bewahren, sie zu verjüngen und vital zu halten. Bei Obstbäumen kommt noch ein anderer Faktor hinzu: Wir wollen, dass sie reichlich leckere Früchte ausbilden. Dafür braucht es viel Licht und Luft im Inneren der Baumkrone, damit die Früchte reichlich Sonne abbekommen und nasses Laub schnell abtrocknet, weil sich sonst Krankheiten schneller ausbreiten. Und da der Fruchtbehang einiges an Gewicht hat, müssen wir durch das Schneiden ein Gerüst aus starken Ästen fördern, die dieses tragen können.

Der Schlüssel zum Glück: das Fruchtholz

Blüten und später auch die Früchte bilden sich nur am sogenannten Fruchtholz. Das können diesjährige (z.B. Herbst-Himbeeren), einjährige (Pfirsich oder Sauerkirsche) oder, wie bei Süßkirsche, Apfel, Pflaume und Birne, zwei- und dreijährige Triebe sein. So lässt sich leicht ausrechnen, wie schnell dieses Fruchtholz bei jeder Obstart zu alt wird, im Fachjargon „vergreist“, und die Ernte entsprechend magerer ausfällt. Ohne Schnitt kann es aber auch passieren, dass der Baum zu viel Fruchtholz trägt. Dann bleiben die Äpfel oder Birnen klein und haben nur wenig Aroma.

Tipp: Gute Qualität einkaufen

Schaut schon beim Einkaufen eures Obstbaums darauf, dass er einen geraden Stamm hat, einen daraus hervorgehenden einzelnen, geraden Mitteltrieb sowie vier bis sechs einjährige Seitentriebe, die rundum verteilt sind. Sonst wird es schwierig, das so wichtige Gerüst, das die Basis bildet und jahrzehntelang halten soll, zu erziehen.

Ein bisschen Basis-Wissen

Wie bei allen Pflanzen ist es die Wurzel, die die oberirdischen Pflanzenteile, also die Krone, mit Wasser und Nährstoffen versorgt. Während der Ruhephase der Obstbäume, in der blattlosen Zeit etwa von Oktober bis April, speichern die Wurzeln auch die sonst in den Blättern gebildeten, lebenswichtigen Photosyntheseprodukte Zucker und Stärke.

Vor dem Austrieb im Frühling wird dieser Lebenssaft wieder nach oben durch den Stamm in die Triebe gepumpt, und das neue Wachstum beginnt. Dass dieser Saft immer nach oben steigt hat Auswirkungen: Bei steil stehenden Ästen werden die Knospen an der Spitze am besten versorgt, sie treiben also am stärksten aus. Bei schräg stehenden Trieben treiben alle nach oben wachsenden Knospen stärker aus, als die an der Unterseite sitzenden – die bessere Alternative!

Wenn ihr die Bäume im Frühjahr schneidet, regt ihr das Wachstum an, da ihr einen Teil der Knospen entfernt und sich die Nährstoffe dann auf die verbleibenden verteilen. Schneidet ihr im Sommer, entfernt ihr mit den Trieben auch Blätter, die Reservestoffe für den Winter bilden. Das heißt, der Baum hat im kommenden Frühjahr weniger Nährstoffe zur Verfügung und treibt weniger stark aus. Allerdings kann er dann die Wunden schneller schließen. Kirschen und Walnussbäume solltet ihr aus diesem Grund nur im Sommer schneiden.

Der ideale Schnittzeitpunkt

Den perfekten Zeitpunkt, der für alle Obstarten gilt, gibt es nicht. Zudem gibt es regionale Unterschiede. Ihr könnt euch aber an diesen Regeln orientieren:

  • Ein Schnitt zwischen Oktober und Anfang Februar tut den Pflanzen, je nach Witterung, meist nicht so gut.
  • In warmen Gegenden könnt ihr schon Anfang Februar mit dem Baumschnitt beginnen, in kälteren Gebieten solltet ihr bis Anfang März warten.
  • Frostempfindliche Obstarten schneidet ihr erst spät, entweder während der Blüte (Pfirsich) oder nach dem Blattaustrieb (Aprikose).
  • Bei Regen wird keine Säge oder Schere angesetzt, da Krankheitskeime in die Wunden gelangen können und ihr selbst auf der Leiter abrutschen könnt.
  • Bei Temperaturen unter -5 °C wird grundsätzlich nicht geschnitten.
  • Ab März verbietet das Naturschutzgesetz größere Schnittmaßnahmen, um brütende Vögel nicht zu stören. Kleine Pflegeschnitte bleiben erlaubt.
  • Ein Sommerschnitt ist bei Kernobst wie Kirsche, Pflaume oder Pfirsich zu empfehlen. Auch bei anderen Obstarten könnt ihr jetzt steil wachsende und kranke Triebe in der Krone abnehmen.
  • Wer jedes Jahr schneidet, auch die Arten mit länger haltendem Fruchtholz, ist schneller damit fertig.

Das richtige Werkzeug

Ohne diese Helfer geht beim Baumschnitt nichts:

  • Säge: Auch wenn die Arbeit schneller erledigt ist, verzichtet besser auf eine Motorsäge (zum Bedienen braucht es auch eine Schulung) und greift stattdessen zu einer Astsäge, die es auch praktisch zum Klappen gibt, oder zu einer Japansäge.
  • Astscheren: Hier sind Bypass-Modelle zu bevorzugen, da sie harte Triebe (bis etwa 5 cm Durchmesser) sauber abtrennen.
  • Gartenscheren: Sie sind für dünnere Triebe bis etwa 2 cm Durchmesser gemacht.
  • Alle Schneidwerkzeuge gibt es auch als Teleskopmodelle, die man vom Boden aus nutzen kann. Das Führen erfordert allerdings Kraft und einiges an Übung.
  • Leiter: Ihr braucht ein stabiles Modell, das sich frei stehend nutzen, aber auch hoch ausfahren und anlehnen lässt.

Was beim Schneiden gar nicht geht

  • Mehrere Mitteltriebe: Es kann nur einen geben, alle Konkurrenten werden entfernt!
  • Stummel lassen: Schneidet junge Triebe immer knapp über einer Knospe und leicht schräg von dieser Knospe aus nach unten ab. Ältere Triebe entfernt ihr immer dicht am Hauptast, da der Baum dort Kambiumgewebe besitzt, das die Wunden schnell wieder schließt.
  • Ausgefranste Wundränder: Je glatter der Rand, desto schneller schließt der Baum die Wunde.
  • Große Wunden ohne Wundverschluss: Ab einem Durchmesser von 5 cm empfiehlt sich das Bestreichen mit Malusan Wundverschluss, einem Pflanzenstärkungsmittel aus einer Latexverbindung, Tonmineralien und Wasser. Dies ist nur im Winter erforderlich.
  • Kranke Triebe: entfernt sie schnellstmöglich und entsorgt sie in der Biotonne.

Welcher Schnitt darf’s sein?

Der Pflanzschnitt: das Gerüst festlegen

Schon beim Einpflanzen legt ihr die zukünftigen Hauptäste fest: Der Mitteltrieb ist klar, dazu entscheidet ihr euch für drei der Seitentriebe, die – im Idealfall – in einem Winkel von 60° zur Mitte stehen. Alle anderen werden entfernt. Kürzt diese drei Seitentriebe um etwa ein Drittel auf die gleiche Höhe und auf eine nach außen weisende Knospe ein. Jetzt nur noch den Mitteltrieb so weit zurückschneiden, so dass seine Spitze in einem Winkel von 90 bis 120° zu den Spitzen der Seitentriebe steht.

Extra-Tipp:

Zu flache Seitengerüsttriebe könnt ihr mit einer Sisalschnur im richtigen Winkel am Mitteltrieb fixieren. Seitenäste, die zu steil wachsen, sind weniger als Gerüsttriebe geeignet. Nur wenn sie an der Basis flach wachsen und dann steil nach oben streben, lassen sie sich mithilfe von Hölzern, die eingesteckt werden und sie abspreizen, zu einem Wuchs im richtigen Winkel umerziehen.

Der Erziehungsschnitt: erst mal groß und stark werden!

In den Folgejahren (beim Apfel etwa fünf bis sieben Jahre lang) entfernt ihr bei den Gerüsttrieben immer wieder nach innen und senkrecht wachsende Triebe sowie Konkurrenztriebe. Flach wachsende Seitentriebe bleiben stehen. Außerdem schneidet ihr bei allen Gerüsttrieben ein Drittel des Neuzuwachses ab, auch den Mitteltrieb, der dann wieder im Winkel von 90 bis 120° zu ihnen stehen sollte.

Der Erhaltungsschnitt: Damit alles fit bleibt!

Sobald die Erziehung abgeschlossen ist, geht es vor allem darum, dass er in Zukunft viele leckere Früchte produziert. Und darum, das Gerüst und das Fruchtholz vital zu halten. Steil nach oben und alle nach innen wachsenden Äste entfernt ihr immer weiter, damit es im Kroneninneren schön hell bleibt.

Bei den Gerüsttrieben schneidet ihr Konkurrenztriebe ab. Ältere Fruchttriebe senken sich unter dem Gewicht des Obstes ab. Sie schneidet ihr an der Stelle, an der ein schräg nach oben wachsender, jüngerer Trieb wächst, ab.

Der Verjüngungsschnitt: Damit alles wieder fit wird!

Er wird eigentlich nur nötig, wenn ihr die Bäume nicht regelmäßig pflegt. Durch das Entfernen der alten, vergreisten Äste regt ihr das Gehölz dazu an, neu auszutreiben. Die Gerüsttriebe werden auf jüngere Triebe, die im richtigen Winkel stehen, umgeleitet.

Extra-Tipp:

Große Temperaturschwankungen wie nächtlicher Frost und Nachmittagssonne im Winter können dafür sorgen, dass die Baumrinde Risse bekommt, durch die dann wiederum Schädlinge und Krankheitsserreger ins Pflanzeninnere gelangen. Mit dem Bio-Baumanstrich aus Natursubstenzen werden sie davor geschützt und gleichzeitig gepflegt. Bestreicht den Stamm damit an einem frostfreien, trockenen Tag ab Mitte Februar vom Boden bis zu den unteren Ästen. Nach 24 Stunden ist alles getrocknet.