
So gestaltest du deinen Garten bienenfreundlich
Wildbiene, Igel & Co.
4 Min. Lesezeit
Ein lebendiger Garten ist nicht nur schön, sondern auch ein wertvoller Lebensraum, etwa für Wildbienen, die Pflanzen bestäuben und das ökologische Gleichgewicht fördern. In diesem Beitrag erfährst du, wie du deinen Garten wildbienenfreundlich gestaltest, ohne auf Pflanzenschutz verzichten zu müssen, ganz natürlich und bienenschonend.


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Warum sollte ich Nützlinge fördern?
Nützlinge nehmen dir viel Gartenarbeit ab. Sie helfen, Schädlinge in Schach zu halten, sodass du ohne Pflanzenschutzmittel auskommst. Andere machen den Boden fruchtbar oder bestäuben Obst- und Gemüsepflanzen. Letzteres machen in erster Linie Wildbienen. Diese sind besonders fleißig: Eine einzige Mauerbiene bestäubt so viele Blüten wie 80 bis 300 Honigbienen! Wildbienen sind also essenziell für eine reiche Ernte. Gleichzeitig sind einige Arten bedroht, noch ein Grund, deinen Garten bienenfreundlich zu gestalten.

Das kannst du tun, um Wildbienen in deinem Garten zu fördern
Nichts tun!
Hört sich gut an, oder? Den Rasenmäher im Schuppen zu vergessen, ist ein großer Schritt in Richtung Wildbienenschutz. Sie mögen es so natürlich wie möglich. Versuche, in deinem Garten zumindest an manchen Stellen, Wildwuchs zu haben.
Bienenfreundliche Pflanzen
Darüber hinaus kannst du auch mit Samen-Mischungen deinen Garten für Wildbienen attraktiv machen. Diese sollten mehrjährige Arten enthalten. Das ist sinnvoll und wichtig, damit die davon lebenden Nützlinge und ihre Nachkommen in den nächsten Jahren immer die für sie geeigneten Arten in der Natur finden. Nur so bauen sich dauerhafte Populationen auf. Dafür eignen sich auch mehrjährige Stauden sehr gut.
Kornblumen und Herzgespann versorgen beispielsweise Honig- und Wildbienen mit Nektar. Die Malve zieht mit ihrem großen Pollenangebot besonders viele Bienen an und Klatschmohn lockt mit 2,5 Millionen Pollenkörner pro Blüte.
Hummeln erreichen mit ihrem langen Rüssel Nektar und Pollen in engen, langen Röhrenblüten. Als typische Hummelpflanze gilt zum Beispiel die Akelei. Johanniskraut ist für Bienen ein wichtiger Pollenspender. Sie lieben Sand-Esparsette, Wilden Majoran, Klatschmohn, die Echte Schlüsselblume und Wiesensalbei. Aber auch heimische Kräuter wie Schnittlauch oder Stauden sind bienenfreundliche Pflanzen.
Manche Wildbienen sind sehr wählerisch, was ihre Futterpflanzen angeht. Daher sollte deine Blumenwiese viele Arten enthalten.
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Insektenhotels, Bienenhäuser und Nützlingsquartiere
Mit einem Bienenhaus, Insektenhotel oder Nützlingsquartier schaffst du gezielt Nisthilfen für Wildbienen, Bienen und/oder andere Insekten, wie Marienkäfer. Du kannst dabei zusehen, wie Wildbienen die Röhren besiedeln, Futter hineinbringen und die Öffnungen verschließen.
Hänge die Nisthilfe an einem sonnigen, vor Wind und Regen geschützten Platz auf. Die Nisthilfe sollte möglichst in südlicher Ausrichtung (SW, S, SO) in ein bis zwei Meter Höhe, mindestens oberhalb der Vegetation, platziert werden. Eine Haus- oder Garagenwand bietet sich an, ein Zaun oder ein Baumpfahl. Idealerweise finden die neuen Bewohner im direkten Umfeld Pflanzen, an denen sie Nektar und Pollen sammeln können. Aus dem Nektar holen sich Wildbienen die Energie zum Fliegen. Vom Pollen ernähren sich die jungen Bienen und die Bienenbrut.
Wasserversorgung gewährleisten
Du kannst Wildbienen ganz einfach mit Wasser versorgen: Gieße Wasser in ein flaches Gefäß, lege Steine oder Holz als Landeplatz hinein und schon hast du eine Bienentränke in deinem Garten. Auch andere Insekten werden damit gut versorgt.
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Pflanzenschutz geht auch bienenfreundlich!
Wenn Schädlinge sich in deinem Garten ausgebreitet haben oder deine Ernte einfach nicht so üppig ist, wie sie sein sollte, kannst du durchaus auf bienenfreundliche Mittel zurückgreifen.
Schädlinge mit Nützlingen bekämpfen
Nützlinge sind natürliche Helfer im Garten, die auf ganz ökologische Weise Schädlinge bekämpfen. Je nach Schädlingsproblem kommen unterschiedliche Nützlinge zum Einsatz, zum Beispiel Nematoden gegen Engerlinge und Trauermückenlarven oder Raubmilben gegen Bodenschädlinge. Unsere Nützlinge sind absolut bienenfreundlich, da sie nur die jeweiligen Schädlinge bekämpfen und die übrige Gartenfauna unberührt lassen. So bleibt das ökologische Gleichgewicht erhalten, perfekt für einen Naturgarten!
Nicht bienengefährliches Spritzmittel
Alternativ zu den Nützlingen kannst du auch das Spruzit AF Schädlingsfrei nutzen. Es handelt sich um ein anwendungsfertiges Spray, gegen Blattläuse, Thripse, Buchsbaumzünsler & Co. Pflanzenschutzmittel sind immer vorsichtig zu verwenden. Vor Verwendung muss das Etikett und die Produktinformationen gelesen werden.


Was sind Wildbienen?
Unter dem Begriff Wildbienen werden über 600 Arten Bienen zusammengefasst, die in der freien Natur leben und nicht von einem Imker gehegt werden. Sie leben nicht in Bienenstöcken daher sind sie auf Nisthilfen in der Natur angewiesen. Ist dein Garten bienenfreundlich, bietet er also den optimalen Lebensraum.
Wie Wildbienen leben
Vor allem Wildbienen profitieren von der bunten Vielfalt der Blumenwiesen. Es gibt hunderte heimische Wildbienen-Arten, von denen etliche auf der „Roten Liste“ der bedrohten Tierarten stehen. Alle leben und vermehren sich völlig anders als die Honigbienen der Bienenzüchter. Wichtigster Unterschied: Die meisten Wildbienen weilen alleine und sie leben nur wenige Wochen. Sie haben außerdem spezielle Vorlieben und stechen uns Menschen nicht. Hinzu kommt, dass sie sich in einem deutlich kleineren Radius um ihr Nest bewegen als Honigbienen.
Die Rote Mauerbiene sucht zum Nisten hohle Stängel
Eine der häufigsten Wildbienen-Arten ist bei uns die Rote Mauerbiene (Osmia rufa). Sie baut gleich nach dem Schlüpfen im März/April sogenannte Brutzellen in hohle Stängel. Sie bringt Pollen in den Hohlraum, legt ein Ei ab, baut aus Matsch eine kleine Zwischenwand und schließt die nächste Brutzelle an. Beim Pollensammeln bestäubt sie nebenbei Obstbäume und andere Pflanzen. Nach etwa acht Wochen ist das Leben einer erwachsenen Roten Mauerbiene schon zu Ende. Aus den Eiern entwickeln sich Larven, die den eingelagerten Pollen fressen, sich verpuppen und ab dem Spätfrühling auf das nächste Frühjahr warten, um zu schlüpfen. Der Kreislauf der Bienen beginnt von vorne.
Eine Rote Mauerbiene braucht also im März und April hohle Stängel, Lehm und Wasser sowie den Pollen früh blühender Pflanzen, damit sie sich vermehren kann. Dein Garten kann der optimale Platz dafür sein.
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Die Hummel-Königin frisst sich Winterspeck zum Überwintern an
Hummeln zählen ebenfalls zu den Wildbienen. Sie leben in der warmen Jahreszeit sozial in sogenannten Sommerstaaten. Nach dem Paaren sucht sich die begattete, junge Königin ein Winterquartier und das Volk stirbt ab. Die Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris) überwintert zum Beispiel gerne in tiefen, alten Maulwurfsgängen oder in Mauerlöchern.
Bedeutet: Ohne blütenreichen Spätsommer und Frühherbst futtert sich die Erdhummel-Königin nicht genügend Winterspeck an, um die kalte Jahreszeit zu überstehen. Und weil sie aufwacht, sobald es ein paar Tage wieder etwas wärmer wird, muss sie schon im zeitigen Frühjahr Blüten finden, an denen sie ihre Energiereserven auffüllen kann.
Hohlräume, Totholz und sandige Böden sind genau das richtige für Wildbienen
Die Sandsteppenbiene (Nomioides minutissimus) gräbt ihre Nester in sandigen, trockenen Boden, Garten-Wollbiene (Anthidium manicatum) und Maskenbiene (Hylaeus communis) nutzen vorhandene Hohlräume, die Blaue Holzbiene (Xylocopa violacea) frisst Brutgänge in Totholz und die Weibchen der Gelbbindigen Furchenbiene (Halictus scabiosae) graben Nester in lockere Erde.
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Ein wildbienenfreundlicher Garten bringt viele Vorteile mit sich
Wenn du deinen Garten naturnah gestaltest, auf abwechslungsreiche und bienenfreundliche Bepflanzung achtest und ihnen Plätze zum nisten bietest, hast du schon viel getan. Windbienen stechen übrigens sehr selten bis nie: Da sie keinen Honigvorrat zu verteidigen haben, ist das auch gar nicht nötig. Sollte es dennoch dazu kommen, wird ein Stich nicht so schmerzen, wie man ihn von Wespen oder Honigbienen kennt.
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